Gerade in Zeiten hoher politischer Verunsicherung hilft ein Blick zurück, um an bereits gemachte Erfahrungen anknüpfen zu können. Wo noch auf keine historischen Rückblicke zurückgegriffen werden kann, liegt versuchsweise der Blick ins Archiv nahe. Seit der Gründung der asylkoordination, also seit 1991 haben wir relevant erscheinende Unterlagen gesammelt, aber eine Sammlung ist noch kein Archiv. Deshalb haben wir uns entschlossen, diese wirklich umfangreiche Sammlung einem professionellen Archiv anzuvertrauen, dem DAM (Dokumentationsarchiv Migration) in Innsbruck, das Migrationsgeschichte(n) sammelt und archiviert, um sie der Forschung zugänglich zu machen. Im vergangen Jahr haben wir unsere Bestände soweit geordnet, dass sie nun bereit sind, Teil des DAM zu werden. DAM-Koordinatorin Christina Hollomey-Gasser und Konstantina Hornek, die über Monate die Materialien aufgearbeitet hat, beschreiben in ihrem Artikel diesen Prozess.
Archive und Museen sind aber nicht nur ein Ort für professionelle Historiker:innen sondern auch wichtig für das Selbstverständnis migrantischer Communitys. Wir stellen drei sehr unterschiedliche Projekte vor, sie zeigen die Schwierigkeiten und Chancen der Sichtbarmachung der Rolle von Migrant:innen im Aufbau der österreichischen Gesellschaft in den letzten 60 Jahren.
Die Gegenwart bringt leider immer wieder negative Überraschungen. In welchem Ausmaß wir im 21. Jahrhundert einen Rückfall in brutale Machtpolitik erleben müssen, hätte vor wenigen Jahren kaum jemand erwartet. Der Überfall der USA und Israels auf den Iran und die verzweifelte Situation der Menschen dort zwischen repressivem Regime und todbringendem Bombenhagel ist das jüngste Beispiel. Lukas Gahleitner-Gertz hat Asylstatistiken von iranischen Schutzsuchenden analysiert. Ein Ergebnis: Trotz hoher Anerkennungsquoten und der Unmöglichkeit von Abschiebungen in den Iran hielten sich die Zahlen der Asylanträge in engen Grenzen.
Über die Lage der kurdischen Bevölkerung im Iran berichtet Thomas Schmidinger ausführlich in unserer online-Ausgabe, auf die wir bei dieser Gelegenheit gerne hinweisen wollen. Für Sie als förderndes Mitglied oder Abonnent:in sind alle Texte frei zugänglich.
Die Umsetzung des Gemeinsamen Europäischen Asylsystems (GEAS) in nationales Recht dieser Tage auch in Österreich abgeschlossen, und zwar in Form des Asyl- und Migrationspakt-Anpassungsgesetz (AMPAG). Matthias Flug, Lukas Gahleitner-Gertz und drei Kolleg:innen der Flüchtlings-und Deserteursberatung erklären, was genau hinter diesem Wortmonster steckt. Im Wesentlichen – das sei schon verraten – nichts Gutes. Dass Schlimmeres verhindert werden konnte, ist der konzertierten Zusammenarbeit von NGOs und engagierten Jurist:innen zu verdanken.
Damit diese wichtige politische Arbeit geleistet werden kann, braucht es Koordination und Ressourcen. Sie ermöglichen diese Unabhängigkeit mit Ihrer Unterstützung – werden Sie Spender:in, werden Sie förderndes Mitglied der asylkoordination..
Danke für Ihre Unterstützung,
Herbert Langthaler

