Der in Österreich lebende Autor Ahmad Maruf (Jugendbetreuer bei Tralalobe) liefert mit seinem im Selbstverlag erschienenen Buch ein ganzes Konglomerat an Informationen über sein Herkunftsland Afghanistan. Wir erfahren darin einiges über dessen Geschichte – zurückgehend bis ins 18. Jahrhundert, über Sitten und Gebräuche, Glauben und Aberglauben, Esskultur, Sprichwörter und so weiter. Diese umfangreichen Themen werden zusätzlich vermischt mit biographischen Details aus dem Leben des Autors und den Versuchen, die politische Entwicklung der letzten Jahre näher zu beleuchten. 

Jedes dieser Themen ist für sich durchaus interessant. Leider springt der Erzählfluss jedoch ständig von einem Bereich zum anderen, wodurch es sehr mühsam wird, den Gedankensprüngen zu folgen und bei den einzelnen Themen den Überblick zu behalten. Klar kommt zum Ausdruck, dass der Autor sein Heimatland sehr liebt und unter den Kriegen und unglücklichen Entwicklungen leidet. Diese persönliche Betroffenheit lässt jedoch bei der Darstellung der politischen Ereignisse Zweifel an Objektivität und genauer Recherche aufkommen. 

Außerdem steht der immer wieder ausgesprochene Wunsch nach einer friedlichen und demokratischen Entwicklung im Widerspruch zu manchen äußerst klischeehaften Schilderungen „der Afghanen“: „Die Afghanen achten seit Jahrhunderten den Ehrenkodex, und durch Unterdrückung verletzter Stolz wird mit Blut bezahlt.“ … „Generell gilt für die Afghanen: Wenn die Ehre verletzt oder der Wille unterdrückt wird, lassen wir uns nicht demütigen …“ 

Man kann das Buch als sehr persönliche Darstellung eines Menschen sehen, der viel erlebt hat. Dann lohnt sich die Lektüre vor allem wegen der interessanten kulturhistorischen Schilderungen, die sich im Übrigen nicht nur auf Afghanistan beziehen, sondern auch auf die Ukraine, wo der Autor ebenfalls längere Zeit gelebt hat.
AJ

Ahmad Maruf: AFGHANISTAN, die unsichtbare Falle. Erzählungen, Erinnerungen und politische Ereignisse.

Wien 2025, Eigenverlag ISBN-13: 979-8312433340. 414 Seiten, € 26,50