Frankreich: Polizeigewalt Gegen Geflüchtete

(24.08.2026, The Guardian) Die NGO Utopia 56 berichtet im Verglich zum Vorjahr, von einem Anstieg der Gewaltanwendung durch die französische Polizei um 40% gegen Personen, die versuchen, den Ärmelkanal zu überqueren. Die Zahl der Menschen, die sich als Opfer polizeilicher Gewalt meldeten, stieg von 1.954 auf 2.720. Der Bericht der NGO, die an den Stränden von Nordfrankreich, die häufig zur Überquerung des Ärmelkanals genutzt werden, Nothilfe leistet, schildert unter anderem Schlägereien und Einsätze von Tränengas. Die NGO dokumentierte zudem einen Vorfall, bei dem die Beine einer Frau von einem Polizeifahrzeug überfahren wurden. Utopia 56 zeigt zudem auf, dass mindestens zehn Familien an den Stränden von der französischen Polizei getrennt wurden. Utopia 56 veröffentlichte den Bericht als Reaktion auf eine Ankündigung des UK Home Office, in der der Rückgang der Überfahrten mit kleinen Booten gefeiert wurde, und soll die humanitären Kosten dieser Maßnahmen hervorheben.

Frankreich: Ostafrikanische Staaten unter Druck

(Radio France Internationale, 27.08.2026) Der französische Premierminister Sébastien Lecornu kündigte Maßnahmen an, um die Entwicklungshilfe an sieben Länder, die die französische Überseeregion Mayotte umgeben, mit ihrer Bereitschaft an Frankreichs „Kampf gegen Schleuser“ teilzunehmen als auch ihre Einhaltung an Rückkehrverfahren zu koppeln. Französische Entwicklungshilfe würde somit an messbare Leistungsindikatoren gebunden sein, nämlich an die Anzahl ausgestellter Reisedokumente, mit denen Personen zurückgenommen werden können, sowie an die Gesamtzahl der undokumentierten Personen, die in diese Länder zurückkehren. Diese Voraussetzungen betreffen unter anderem die Komoren, Kenia, und Somalia. Betont wurde jedoch, dass diese Bedingungen sich nicht auf humanitäre Hilfe beziehen. Verkündet wurden zugleich weitere Maßnahmen, die eine Verstärkung der militärischen Ressourcen in Form von Drohnen und Schiffen vorsehen, die darauf abzielen, Menschen daran zu hindern, auf „illegale“ Weise nach Mayotte zu gelangen.

Mittelmeer: Neues Rettungsschiff

(31.08.2026, InfoMigrants) Die deutsche NGO SOS Humanity berichtete, dass sie mit ihrem neuen Rettungsschiff, Humanity 2, 71 Personen im zentralen Mittelmeer retten konnte. Das Schiff wurde als Segelyacht von SOS Humanity gekauft und umgebaut, sodass die Organisation nun über zwei gleichzeitig einsatzfähige Rettungsschiffe verfügt. Die Humanity 2 soll vor der Küste Tunesiens patrouillieren. Der Einsatz des neuen Rettungsschiffs erfolgt vor dem Hintergrund, einer sich verschärfenden humanitären Krise im zentralen Mittelmeer. Daten von IOM zufolge sind im Jahr 2026 bislang 1.330 Menschen ertrunken oder als vermisst verzeichnet, somit ist dies das tödlichste erste Halbjahr im zentralen Mittelmeer seit 2014.

UK/Frankreich: Hunderte Schutzsuchende verschwunden 

(11.09.2026, The Guardian) Hunderte Asylsuchende, die im Rahmen des inzwischen beendeten „One in, One out” Rücknahmeabkommens von Großbritannien nach Frankreich abgeschoben worden sind, sind mehreren Menschenrechtsorganisationen zufolge verschwunden. Von den etwa 1.400 zwangsweise nach Frankreich überstellten Personen sind nur noch 200 für die französischen Behörden erreichbar. Viele leben untergetaucht in anderen europäischen Staaten. Vertreter mehrerer NGOs, die mit den Betroffenen zusammenarbeiten, äußerten bei einer Parlamentssitzung in Großbritannien ihre Bedenken. Dabei berichteten sie von mindestens 41 Kindern die rechtswidrig (weil ihr Alter noch nicht geklärt war) nach Frankreich gebracht wurden und in Folge verschwunden sind. Obwohl das UK Home Office diese Vorwürfe zurückweist und darauf beharrt, dass keine asylsuchende Person, deren Altersbestimmung umstritten ist, abgeschoben wurde, bekräftigte die Vorsitzende eines unabhängigen Überwachungsgremiums, dass rund 100 Kinder widerrechtlich als Erwachsene im Zusammenhang mit dem Abkommen inhaftiert wurden.  

UK/Frankreich: Verbreitete Zeichen von Gewalt

(14.09.2026, The Guardian) Ein Bericht des französischen humanitären Nothilfedienstes Samusocial de Paris belegt deutliche Anzeichen von Gewalt, der asylsuchende Personen ausgesetzt waren, die im Rahmen des „One in, One out“ Rücknahmeabkommens nach Frankreich abgeschoben wurden. Der Nothilfedienst, der vom regionalen Gesundheitsamt beauftragt wurde, die nach Frankreich überstellten Personen innerhalb der ersten acht Tage ihrer Ankunft medizinisch zu versorgen, dokumentierte bei 90 seiner Patienten unter anderem Prellungen, Knochenbrüche und Verletzungen die auf Fesselung hindeuten. Die Verletzungen der Betroffenen, die alle männlich und überwiegend zwischen 20 und 35 Jahre alt sind, wurden alle im Zeitraum zwischen Jänner und Juni dieses Jahres dokumentiert. Aus dem Bericht geht ebenfalls hervor, dass sich die Zustände während der britischen Inhaftierung unter unzureichender medizinischer Versorgung verschlechterten. Die Organisation äußerte somit ihre Besorgnis über die anhaltenden Auswirkungen der erlittenen psychischen Gewalt. Die Indizien, die aus Patientengesprächen und Krankenhausunterlagen bestehen, wurden von Samusocial de Paris gesammelt und dem Untersuchungsausschuss der französischen Nationalversammlung vorgelegt. 

Polen: Asylrecht weiter ausgesetzt

(04.09.2026, TVP World) Die Aussetzung des Asylrechts für Personen, die über Belarus die Grenze überschreiten, wurde in Polen zum neunten Mal verlängert. Mit 418 Ja-Stimmen bei lediglich 16 Gegenstimmen wurde diese Weiterführung damit begründet, dass die polnischen Behörden entlang der Grenze trotz der in den vergangenen Jahren verstärkten Grenzaufrüstungen weiterhin einer anhaltenden Bedrohung ausgesetzt seien. Die Ablehnung von Asylanträgen wurde erstmals im März 2025 eingeführt, nachdem die polnische Regierung Belarus vorgeworfen hatte, Migrant:innen zum Zweck der „Destabilisierung der EU“ zu instrumentalisieren. Infolge dieser Maßnahme ist die Zahl der Grenzübertritte über Belarus stark zurückgegangen, wobei nur 235 Überquerungsversuche im ersten Halbjahr 2026 verzeichnet wurden, gegenüber den 15.500 Versuchen im ersten Halbjahr 2025. Menschenrechtsorganisationen kritisieren weiterhin diese Aussetzung und werfen der Regierung illegale Zurückweisungen vor.

Niederlande: Langsame Asylverfahren werden teuer

(NL Times 07.09.2026) Die Summe der Geldstrafen, die die niederländische Einwanderungs- und Einbürgerungsbehörde Asylwerber:innen aufgrund überlanger Asylverfahren auszahlen musste, steigt weiterhin. Die Behörde zahlte in der ersten Hälfte dieses Jahres 99 Millionen Euro in Bußgeldern aus, für Verfahren, bei denen die Sechsmonatsfrist überschritten wurde. Im Vergleich dazu beliefen sich die Bußgelder im gesamten Jahr 2025 auf 79 Millionen Euro und eine noch kleinere Summe von 37 Millionen Euro im Jahr 2024. Die Asylbehörde erklärt die zunehmenden Wartezeiten mit der Komplexität vieler der Asylverfahren. Zwei konservative Parteien, JA21 und SGP, haben jetzt eine Gesetzesänderung vorgeschlagen, die diese Geldstrafen abschaffen soll. Ein Termin für die Debatte über den Gesetzesvorschlag im Senat wurde noch nicht festgelegt.

Polen: 100 Tote an Grenze zu Belaruss

(08.09.2026, EUobserver) Ein Bericht, der von dem Schweizer Ermittlungsteam Border Forensics und anderen zivilgesellschaftlichen Organisationen veröffentlicht wurde, dokumentiert und bestätigt 102 Todesfälle und 214 Vermisste entlang der polnisch-belarussischen Grenze seit 2021, als Polen die Registrierung von Asylanträgen aussetzte. Die Dokumentation steht in starkem Gegensatz zur Darstellung der polnischen Regierung, mit der sie sich jeglicher Verantwortung entzieht und die Todesfälle auf Wetterbedingungen und unwegsames Gelände zurückführt. Stattdessen unterstreicht der Bericht, wie die Todesfälle, die vom Staat weder erfasst noch dokumentiert werden, in einer „versteckten Gewaltzone“ stattfinden, in der sowohl die direkte Gewalt von beiden staatlichen Grenzbehörden in Form von Zurück- und Vorwärtsdrängen, Schlägen und Eigentumsentzug als auch deren absichtsvoller Untätigkeit Bedingungen schaffen, die „mit dem Überleben unvereinbar sind“.

Zypern: Migrant:innen als Arbeitskräfte

(Cyprus Mail, 13.09.2026) Zypern versucht, die Migration von etwas, das fast ausschließlich mit Krisen verbunden ist, in einen Teil der Lösung für den Arbeitskräftemangel des Landes zu verwandeln, sagte der stellvertretende Migrationsminister Nicholas Ioannides der Cyprus Mail. Es würden für Immigrant:innen legale Zugänge zum Arbeitsmarkt geschaffen. Außerdem sei die Zahl der „irregulären Ankünfte“ im Vergleich zu ihrem Höhepunkt im Jahr 2022 um 92% gesunken. Dies führt er auf eine Reihe von Maßnahmen der Regierung zurück. Unter anderem nannte er stärkere Überwachung, schnellere Asylverfahren und Rückführungen. Bürokratische Abläufe seien vereinfacht worden, sodass asylsuchende Personen nun schneller zu einer Klärung ihres Status gelangen. 
Ioannides wies auch darauf hin, dass zwar der Krieg in Syrien beendet ist, jedoch weiterhin Personen durch Schlepper ins Land gebracht würden. Die Regierung arbeite auch mit der Internationalen Organisation für Migration (IOM) an einem Reintegrationsprogramm für nach Syrien zurückkehrende Personen. Mit der Türkei, die ebenfalls ihre Asylpolitik verschärft habe, gebe es keinerlei Zusammenarbeit.

Niederlande: Kinder in Notunterkünften

(NL Times, 21.09.2026) Das niederländische Ministerium für Asyl und Migration hat vom niederländischen Untersuchungsrat für Sicherheit eine dringende Empfehlung erhalten, die Bedingungen für Kinder in Notunterkünften für Asylwerber:innen zu verbessern. Da diese Notunterkünfte aufgrund des Mangels an regulären Plätzen häufig als längere Unterkünfte genutzt werden, leben derzeit rund 40% der asylwerbenden Kinder in den Niederlanden in Notunterkünften, wobei bisherige Bemühungen um Abhilfe noch nicht zu mehr Plätzen geführt haben. Der Untersuchungsrat warnte vor der Instabilität und den Gefahren, denen Kinder in diesen Notunterkünften ausgesetzt sind, da ihnen häufig der Zugang zu Bildung, angemessener Gesundheitsversorgung, Privatsphäre usw. fehlt, obwohl Kinder manchmal jahrelang dort leben müssen. Dies führte den Untersuchungsrat zu der weiteren Schlussfolgerung, dass die Mindeststandards für die Sicherheit von Kindern in den Niederlanden nicht erfüllt werden. Der Bericht hebt die Ursachen dieser Mängel hervor und macht dafür administrative und strukturelle Unzulänglichkeiten verantwortlich, anstatt sie auf einer von außen auferlegten Krise zuzuschreiben. Der Untersuchungsrat fordert den Minister für Migration und Asyl daher nachdrücklich auf, den „Krisenmodus“ hinter sich zu lassen und in ein nachhaltiges Aufnahmesystem zu investieren. Das Ministerium hat sechs Monate Zeit, auf die Bedenken und Empfehlungen zu antworten.

Griechenland: Sinkende Anerkennungsquoten

(GR Newsroom, 23.09.2026) Die Anerkennungsquoten für Asylanträge in Griechenland sinken weiterhin stark. Im Jahr 2026 ist die Quote bislang auf 37% gesunken, gegenüber 58% im Jahr 2025 und 72% im Jahr 2024. Anträge von Asylwerber:innen beispielsweise aus Afghanistan oder dem Sudan, deren prekäre Lage in ihren Herkunftsländern zuvor zu einer Anerkennungsquote von fast 100% geführt hatte, wurden nur noch zu weniger als 70% positiv entschieden. Asylanträge von Asylwerber:innen aus Ländern mit ohnehin bereits niedrigen Anerkennungsquoten, wie Ägypten und Bangladesch, wurden hingegen zu weniger als 1% bewilligt. Das griechische Ministerium für Migration und Asyl erklärte zudem, dass es eine weitere Senkung der Quote anstrebt.

Spanien: Veränderte Fluchtrouten

(InfoMigrants, 24.09.2026) Da die Route über die Kanarischen Inseln immer weniger genutzt wird, gewinnt die Route zwischen Algerien und den Balearen hinsichtlich der Ankunftszahlen immer mehr an Bedeutung. Die Ankünfte auf die Kanarischen Inseln sanken zwischen 2025 und 2026 um rund 55% von 12.453 auf 5.592. Die Ankünfte auf den Balearen verzeichneten hingegen einen leichten, aber stetigen Anstieg um 2,6% auf 5.627 im gleichen Zeitraum. Wie die spanische Nachrichtenagentur EFE feststellte, sind in dieser Zahl die jüngsten Ankünfte noch nicht berücksichtigt, sodass die tatsächliche Zahl der Ankünfte bei etwas über 6.000 liegt. Im ersten Halbjahr 2026 war zudem ein Anstieg der Todesfälle unter den Reisenden auf der Route zwischen Algerien und den Balearen um rund 55% im Vergleich zum Vorjahr zu verzeichnen. Die örtlichen Behörden haben zudem gewarnt, dass die Kapazitäten für die Unterbringung und Betreuung unbegleiteter Kinder an ihre Grenzen stoßen.

Deutschland: Abschiebungen nach Afghanistan auch ohne Vorstrafen

(InfoMigrants, 29.09.2026) Von den 488 Afghan:innen, die seit Juli für eine Abschiebung aus Deutschland nach Afghanistan vorgesehen waren, haben 267, also rund 55%, keine Vorstrafen, wie aus der Antwort auf eine parlamentarische Anfrage hervorgeht. Sechs weitere Afghan:innen befinden sich derzeit in Abschiebungshaft. Der deutsche Innenminister Alexander Dobrindt hatte im Juli angekündigt, dass Abschiebungen nicht mehr ausschließlich für „Gefährder“ gelten würden. Die Änderung wurde bestätigt, nachdem ein afghanischer Bürger ohne strafrechtliche Verurteilungen gemeinsam mit einer Gruppe von 31 anderen Personen im Juli nach Afghanistan abgeschoben wurde. Laut der Pro Asyl haben in Deutschland ca. 13.000 Personen aus Afghanistan den Bescheid über ihre Ausreisepflicht erhalten, obwohl etwa 10.000 von ihnen über eine Duldung verfügen.