Seit Jahrzehnten wird in den Medien die Gefahr von Millionen „Klimaflüchtlingen“, die sich aus dem Globalen Süden nähern, an die Wand gemalt. Eine Vorstellung, die angesichts der Klimakatastrophe plausibel klingt, der Überprüfung in der Realität allerdings nicht Stand hält. Der Sammelband „Report Globale Flucht 2026“ behandelt u.a. das Fokusthema „Klimawandel und Flucht“. Fünf Beiträge versuchen die Aufmerksamkeit auf „nuancierte Konzepte und differenzierte Maßnahmen jenseits plakativer Zuspitzungen“ zu lenken. Diskutiert werden auch rechtliche Rahmenbedingungen und so genannte Sachstandsberichte zu Klimawandel und Migration das Thema.
Weitere Subthemen: „Grenzen“ mit u.a. einem Text zum Abkommen Italiens mit Albanien oder einem Artikel zur Türkei, das sich in den vergangenen Jahren zum Einwanderungsland entwickelt hat; „Stand des Flüchtlingsschutzes“ mit Beiträgen über Flüchtende in Transitländern, zivile Seenotrettung, Resettlement und Städte als Orte der Zuflucht.
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Der „Report Globale Flucht“ erscheint 2026 zum vierten Mal und wurde diesmal beim transcript Verlag herausgegeben. Der gesamte Bericht ist auf der Verlagshomepage als pdf Open Access gratis zugänglich. Die Beiträge sind von unterschiedlicher Qualität, Neuigkeitswert und Relevanz. Einen sehr guten Überblick gibt z.B. Andreina De Leos Text zum Abkommen Italiens mit Albanien oder der Bericht über ein vergleichendes Forschungsprojekt in den vier Transitländern Jordanien, Türkei, Kolumbien und Mexiko. Sehr informativ auch der Artikel zur Rolle von Resettlement und komplementären Schutzwegen von Martin Wagner.
Einen aufschlussreichen historischen Rückblick auf die Entsorgung des Asylrechts im deutschen Grundgesetz bietet „Die Konfliktgeschichte des sogenannten Asylkompromisses von 1993“ von Patrice G. Poutrus Etliche Beiträge sind in Form von Gesprächen gestaltet, wie das Interview mit der in London lebenden iranischen Verlegerin Azadeh Parsapour, die auch eine jährliche Buchmesse für unabhängige iranischen Verlage außerhalb des Irans initiiert hat.
Ein besonders Highlight ist die Rubrik „Flucht regional“: Hier werden Themen und Regionen abgehandelt, die sowohl in den Medien als auch im akademischen Betrieb wenig beachtet werden: das Fluchtgeschehen in Mittelamerika im Schatten der Trump-Administration, Flucht und Exil in Zentralasien, die Rückkehr syrischer Geflüchteter aus den Nachbarländern und Strategien von Geflüchteten in Südafrika gegen wachsende Ausgrenzung.
Zuletzt finden sic noch fünf Artikel zum Thema „Fluchtziel Bundesrepublik Deutschland“. Den Abschluss bildet eine „Fluchtchronik 2025/26“ mit sehr vielen interessanten Kurzmeldungen vom März 2025 bis zum Februar 2026.
Ein toller Band, der sehr viele Aspekte des Themas Flucht und Vertreibung anspricht, mit guten Anregungen für vertiefende Beschäftigung.
HL

Jochen Oltmer, Petra Bendel, Franck Düvell, Benjamin Etzold, Christine Lang, Andreas Pott (Hg.): Report Globale Flucht 2026
Bielefeld 2026, transcript Verlag. 288 Seiten, € 19,- (print), pdf Open Access

