Jakobs geht es, wie der Untertitel des Buches verrät, um Gespräche mit Menschen, die rechte Positionen vertreten. Diese sollten zwar durchaus konfrontativ (nicht schweigen), aber eben auch wertschätzend (nicht schreien) geführt werden. Man* soll die Menschen hinter den rechten Argumenten sehen und erreichen, sich aber nicht auf die von ihnen vertretenen Positionen einlassen – auch nicht, indem man* (nur) gegen sie argumentiert. 

In den einleitenden Kapiteln bemüht sich Jakobs um die Einordnung der politischen Bewegungen am rechten Rand. Wobei sich die Schwierigkeiten zeigen, klar zwischen Rechtspopulismus, Rechtsradikalismus und Rechtsextremismus zu unterscheiden. Wie bei den meisten deutschen Autor:innen üblich, macht er sich auch nicht die Mühe, die österreichische Szene (die ja viele Berührungspunkte zu AfD und Co. hat) zu erwähnen. Manchmal verlässt Jakobs dabei die analytische Linie, wenn z. B. auf Seite 69 Strategien zur Immunisierung rechter Diskurse (à la „man kann ja nichts mehr sagen“) „beim Autor dieses Buches nur noch gelangweiltes bis entnervtes Gähnen hervor(rufen).“ 

Es folgt ein kurzes Kapitel zu sozialpsychologischen Erklärungsansätzen für die Anfälligkeit für rechtes Gedankengut (Zurücksetzungs- und Bedeutungsverlusterfahrungen). Dann kommt Jakobs zu möglichen Gegenstrategien. Hier werden verschiedene Kommunikationsmodelle und Ansätze anderer Autor:innen referiert, einschlägige Studien und Beobachtungen zitiert, um schließlich zum Umgang mit unfairer Rhetorik und Methoden des erfolgreichen Argumentierens zu kommen. Insbesondere im zweiten Teil wäre ein klarere Struktur hilfreich gewesen. So verschwimmen beim Lesen die einzelnen Positionen, Informationen und konkrete Tipps zur Gesprächsführung gehen im Text unter. Der Autor verlangt den Leser:innen so höchste Konzentration ab. 
Am Ende gibt es dann doch noch „Zehn Punkte zum Mitnehmen“, die es ermöglichen, sich der Lernprozesse beim Lesen zu erinnern. Ein Punkt kann nur unterstrichen werden: „Bewahren Sie Ihre Zuversicht.“
HL

Simon Jakobs: Nicht schweigen, nicht schreien. Wertschätzende Konfrontation im Umgang mit rechten Positionen.

Frankfurt/Main 2026, WOCHENSCHAU Verlag. 168 Seiten, € 20,95/E-Book € 19,60