Gegen das Terrorregime der Taliban und die inhumane Migrationspolitik in Europa. Für die Stärkung von Frauen und Mädchen in Afghanistan.

2021 fand sich nach der erneuten Machtübernahme der Taliban eine Gruppe von Menschen mit unterschiedlicher Herkunft zusammen, um sich gegen die Taliban, aber auch die inhumane Grenz- und Migrationspolitik von Österreich und der Europäischen Union zu engagieren. Seitdem hat die Soligruppe u. a. Kundgebungen, Infotische und Diskussionsveranstaltungen organisiert, offene Briefe verfasst und praktische Solidarität mit den Menschen in Afghanistan gezeigt. Die Grundsätze der Gruppe sind „Nein zu Menschenhass, Rassismus und Sexismus“, „Gegen Abschiebungen nach Afghanistan“, „Solidarität mit allen Geflüchteten“ und „für ein solidarisches Zusammenleben von allen“.

Projekte auch auf dem Land

Bei den Aktivitäten der Gruppe in Österreich geht es darum, Aufmerksamkeit für die Lage in Afghanistan zu schaffen und solidarisches Handeln von der Politik einzufordern. Um Menschen in Afghanistan konkret zu unterstützen, sammelt die Gruppe wiederum Spendengelder und gibt diese über Vertrauenspersonen vor Ort weiter. Nachdem es in Wien mittlerweile eine lebendige afghanische Community gibt und viele Mitglieder selbst aus Afghanistan geflüchtet sind, kann dabei auf direkte persönliche Kontakte zurückgegriffen werden. Durch die fortschreitende Digitalisierung, auch in Afghanistan, ist es in den letzten Jahren leichter geworden, remote in Verbindung zu bleiben.

Die Gruppe ist in mehr als zehn Provinzen sowohl in Städten als auch auf dem Land aktiv. Das ist ein Unterschied zu etablierten Hilfsorganisationen, die in erster Linie die großen Städte (v. a. Kabul erreichen). So kommt die Unterstützung dort an, wo sie gebraucht wird – auch in entlegenen Regionen. 100 Prozent der Spendengelder werden direkt weitergegeben – es werden davon keine Kosten für Verwaltung und Administration abgezogen. Über Spendenberichte auf der Webseite der Soligruppe wird offengelegt, wie die Spendengelder konkret eingesetzt werden.

Bildung für Frauen

Unterstützung von Frauen und Mädchen steht im Fokus. Zu Beginn wurden v. a. Lebensmittel für Haushalte finanziert, in denen keine arbeitsfähigen Männer präsent waren. Nachdem es Frauen verboten wurde, erwerbstätig zu sein, war die Not dort besonders groß. Punktuell wurde auch die Anschaffung von Schafen und Hühnern finanziert, um die Selbsterhaltung von armutsbetroffenen Familien zu unterstützen. Ebenso wurde beim Bau eines Brunnens finanziell unter die Arme gegriffen. Seit die Taliban de facto ein Bildungsverbot für weibliche Personen erlassen haben, liegt der Schwerpunkt auf informellen Bildungsprojekten.

Spendengelder werden also eingesetzt, um Mädchen und Frauen beim Lernen zu unterstützen, die sich gegen das Verbot wehren und im Verborgenen unterrichtet werden. Die Initiative dafür kam aus Afghanistan – von den Mädchen und Frauen selbst. Mit € 90,- kann einer Schülerin der Unterricht für ein gesamtes Jahr ermöglicht werden. Konkret werden damit die Lehrerinnen bezahlt und Unterrichtsmaterialien angeschafft. Aktuell werden mehr als zehn Gruppen finanziert. Außerdem werden auch Spenden für den Aufbau von zwei Näh-Projekten gesammelt. Nähen ist nämlich eine Arbeit, mit der Frauen trotz aller Verbote von zu Hause aus etwas Geld verdienen können.

Unter Verdacht

Mittlerweile ist die Gruppe als Verein organisiert. Der Weg zu einem Vereinskonto war aber steinig. Zwei Banken verweigerten der Soligruppe die Eröffnung eines Vereinskontos und es kam, nach Meldung seitens einer der angefragten Banken, zu einer Ladung durch die Landesstelle für Staatsschutz und Extremismusbekämpfung wegen des Verdachts der Terrorismusfinanzierung. Das Verfahren wurde schnell wieder eingestellt, der Schock sitzt allerdings tief. Dass einer Gruppe, die sich gegen die Politik der Taliban einsetzt, unterstellt wurde, diese finanziell zu unterstützen, mag grotesk erscheinen, ist aber wahr. Das Reizwort „Afghanistan“ war dafür wohl ausreichend. Mittlerweile gibt es aber ein gesichertes Vereinskonto und die Solidaritätsgruppe Afghanistan kann ihrer Arbeit wieder ungehindert nachgehen.

Infos und Unterstützung

Die Solidaritätsgruppe Afghanistan trifft sich jeden ersten Mittwoch im Monat um 18:30 Uhr im Kulturzentrum Amerlinghaus (Stiftgasse 8, 1070 Wien) und freut sich jederzeit über Interessierte. Alle sind herzlich willkommen bei den offenen Treffen.

Social-Media Facebook, Instagram und X @soligruppeafghanistan.
Mit dem IBAN AT60 1200 0100 4185 4059 können Spenden überwiesen werden. Daueraufträge, auch mit kleineren Beträgen, sind besonders hilfreich, weil sie die Planung erleichtern.