In den vergangenen Jahren sind auch Schriftsteller:innen in den deutschsprachigen Raum geflüchtet. Wenn sie, wie Amir Gudarzi oder der in den österreichischen Bergen tödlich verunglückte Jad Turjman, erfolgreich auf Deutsch publizieren, bleibt der Zugang zu ihren Werken für viele Menschen ihrer Communitys verschlossen. Wenn sie weiter in ihrer Muttersprache schreiben, sind Publikation und Verbreitung wesentlich schwieriger als in Paris oder London. Die beiden Künstlerinnen und Autorinnen Lisa Bolyos und Natalie Deewan haben viel Energie und Zeit in ein außergewöhnliche Projekt investiert: die Publikation eines dreisprachigen Buchs mit Beiträgen von ursprünglich auf Farsi oder Arabisch schreibenden Autor:innen.

Darunter auch Jad Turjman, der auch als Comedian (Der Flüchtling ihres Vertrauens) wirkte, mit einem Transskript eines Auftritts in Braunau am Inn. Die Autor:innen setzen sich literarisch mit ihrer Flucht und dem Leben im Exil auseinander. Der Großteil lebt in Österreich, wie der aus dem Iran geflüchtete Pooyan Maghaddassi, der hier zum ersten Mal einen Text auf Deutsch publiziert, andere wie Hamed Abboud oder Widad Nabi – beide aus Syrien – haben schon zweisprachige Bücher oder auf Deutsch in ihrem Portfolio. In Berlin lebt Rasha Abbas, die schon seit 2016 auf Deutsch publiziert. Schließlich trägt noch die in Graz lebende Lyrikerin Asiyeh Panahi einen Prosatext über ihre Ankunft in Österreich bei.

Das Buch ist von links nach rechts (deutsch) und von rechts nach links (Arabisch & Farsi) zu lesen, wobei jeder Text von einer gemeinsamen Titel-Doppelseite ausgeht. Ergänzend können wir unter dem Titel „Aus dem Maschinenraum“ eine Korrespondenz der beiden Herausgeberinnen lesen, in der man das Werden des Projekts von der Idee zum Buch verfolgen kann.
HL

Lisa Boylyos und Natalie Deewan (Hg.): Der lange Winter der Migration. Erzählungen, Comedy, Essays.
Mattighofen/Wien 2025, Korrektur Verlag/edition pen. 272 Seiten, € 25,-