
Ungerecht, integrationswidrig und sicherheitsgefährdend – Ruud Koopmans Bilanz über die europäische Flüchtlingspolitik von 2015 bis zum Ukraine-Krieg fällt durchwegs negativ aus. In dem Buch Die Asyl-Lotterie kritisiert der niederländische Sozialwissenschaftler die Ungerechtigkeit, die der Aufnahme von Geflüchteten zugrunde liege. Wer es nach Europa schafft, dem wird geholfen, unabhängig von Asylgründen. Denen, die es nicht schaffen, wird nicht geholfen, auch wenn sie Schutz brauchen. „Eine Lotterie, bei der die Gewinnchancen ungleich verteilt sind“, so Koopmans. Die Folge: Mehr als 22.000 Menschen haben die riskante Reise über das Mittelmeer nicht überlebt.
Anhand vieler Statistiken und Fallbeispiele widmet er sich auf rund 70 Seiten Terror und Gewalttaten von Geflüchteten, auf weiteren 20 Seiten der seiner Ansicht nach gescheiterten Arbeitsmarktintegration. Kein Wunder, dass Koopmans Material gerne von Rechten für ihre Argumentation gegen Migrant:innen genutzt wird. Damit beißt sich die Katze in den Schwanz, denn Koopmans Sorge gilt auch dem aufstrebenden Rechtsextremismus in Europa, dessen Ursache er in ebendieser verfehlten, weil ungesteuertenAsylpolitik sieht.
Seine „realistische Utopie“: jährliche Kontingente für humanitäre Zuwanderung, humanitäre Visa für politisch Verfolgte und Rücknahmeabkommen mit Herkunftsländern – im Gegenzug die Aufnahme von Wirtschaftsmigrant:innen mit den nötigen Qualifikationen. Durchaus interessante Ansätze – wäre da nicht auch die positive Beschreibung der „australischen Lösung“, die eine Prüfung des Asylstatus auf Australiens vorgelagerten Inseln beinhaltet.
Das Buch mit seinen vielen gut recherchierten Fakten kann als Diskussionsgrundlage dienen, eine kritiklose Übernahme von Koopmans Schlussfolgerungen ist nicht zu empfehlen.
ERH
Ruud Koopmans: Die Asyl-Lotterie – Eine Bilanz der Flüchtlingspolitik von 2015 bis zum Ukraine-Krieg, München 2023, Verlag C.H.Beck, 269 Seiten, € 26,00


